Erleichterung für Schwangere und junge Mütter

 

Schwangerschaft und Mutterschaft belasten auch den Bewegungsapparat und die Wirbelsäule in erhöhtem Masse. Viele Schwangere und junge Mütter leiden unter Beschwerden – von denen manche vermieden oder gemildert werden könnten. Chiropraktorin Dr. Miriam Viganò Schiesser zeigt wie.

Hormonelle Veränderungen lockern in der Schwangerschaft Bänder und Gelenkkapseln mit dem Ziel, das Becken für die Geburt zu weiten. Allerdings sind von der Lockerung auch alle anderen Gelenke betroffen, was oft zu schmerzhaften Gelenksblockaden führt. Ausserdem verschiebt sich der Körperschwerpunkt nach vorne, das Becken kippt, ein Hohlkreuz entsteht, die Füsse werden flach gedrückt und der wachsende Bauch drückt gegen die Rippen, die Bauchmuskulatur wird überdehnt, Kraft und Stabilität gehen verloren – keine optimalen Voraussetzungen für einen beschwerdefrei funktionierenden Bewegungsapparat. Auch nach der Geburt werden die Frauen kaum geschont: Eine Vielzahl neuer Bewegungen fordert die jungen Mütter. Zum Beispiel das Heben des Kindes aus dem Autositz oder dem Bett, mit den oft erforderlichen belastenden Bewegungsabläufen oder das Tragen und Halten des Kindes über längere Zeit. Schmerzmittel? Die sollte sie weder in der Schwangerschaft noch in der Stillzeit einnehmen. Das macht die Chiropraktik als weitgehend medikamentenfreie Behandlungsmethode zur geeigneten Methode, Beschwerden des Bewegungsapparates in und nach der Schwangerschaft zu beheben.

Wer ist besonders betroffen?

Am ehesten betroffen von Beschwerden des Bewegungsapparates in dieser Zeit sind Frauen mit überbeweglichen Gelenken, schwachen Gewebestrukturen und allgemein schwacher Muskulatur, insbesondere des Beckenbodens. Auch zukünftige Mütter, die in der Schwangerschaft schwer heben und tragen, stark an Gewicht oder Brustumfang zunehmen oder zur Verzögerung der Geburt lange liegen müssen, leiden eher an  Schmerzen des Bewegungsapparates.

Zu den am häufigsten vorkommenden Beschwerden des Bewegungsapparates in der Schwangerschaft zählen die folgenden:

 

Lumbosakralgien Das sind Blockaden der Iliosakralgelenke (Beckengelenke) und der damit verbundenen Lendenwirbelsäule. Dies äussert sich oft mit lokalen Schmerzen, sowie mit Ausstrahlungen ins Gesäss, in die Leiste oder in das Bein. Diese Blockaden können in der Schwangerschaft oft mit wenigen oder sogar einer einzigen Behandlung gelöst werden.

Ischias Dies bedeutet eigentlich „Beinschmerzen“. Diese sind meist einseitig und oft sehr stark. Mögliche Ursachen sind vielfältig. Oft ist es eine Störungen des Bewegungsapparates oder der Blutgefässe oder eine Schädigung des Nervengewebes. Chiropraktoren behandeln einen Grossteil der Ursachen. Physiotherapie und Akupunktur können ebenfalls helfen. Manchmal sind Medikamente und Operationen jedoch unumgänglich. Wichtig ist eine frühzeitige Diagnose mit der entsprechenden Behandlung.

Leisten-, Schambein- oder Adduktorenschmerzen Durch die Lockerung der Bänder und die Mechanik der Geburt, können sich die beiden Schambeinäste gegeneinander verschieben, was oft zu Druckempfindlichkeiten auf dem Schambein, Schmerzen in der Leistengegend oder zu Beschwerden bei bestimmten Beinbewegungen führt. Viele leben damit oder halten es fälschlicherweise für Hüftprobleme. Angewendet werden chiropraktische Behandlung, Stabilisationsübungen und in ausgeprägten Fällen Haltegurten.

Zervikothorakalgien Das sind Schmerzen durch Blockaden zwischen den Schulterblättern, im Nacken und in der Brustwirbelsäule. In der Schwangerschaft und insbesondere in der Stillzeit nehmen Verkrampfungen und Blockaden an diesen Orten häufig stark zu und können auch zu Spannungskopfschmerzen führen. Sie sprechen auf chiropraktische Behandlungen­ ergänzt mit „massgeschneiderter“ Gymnastik – und Haltungskorrektur meist gut an.

Rippenblockaden Diese äussern sich als Ziehen und Stechen über den Rippenbogen oder auch unter den Schulterblättern vor allem beim tiefen Einatmen, Husten oder Niesen. Rippenblockaden entstehen manchmal auch durch den Druck des Ungeborenen von innen und können mit rechtzeitigen Manipulationen oft einfach gelöst werden.

Absenkungen der Fussgewölbe Sie führen zu Beschwerden mit Senk- oder Spreizfüssen oder äussern sich mit der Zeit auch als Fersensporn. Dies zeigt sich entweder mit Schmerzen morgens beim Aufstehen, Kribbeln in den Zehen oder durch eine Weitung oder Verlängerung des Fusses. Zusätzlich kann es Folgen für die Statik der Wirbelsäule haben, und ist damit oft ein Grund für spätere Rückenbeschwerden. Hilfreich sind neben der chiropraktischen Behandlung Haltungsgymnastik, Krafttraining, funktionale Strümpfe, gut stützende Schuhe oder Schuheinlagen.

Tennisellenbogen Schmerzen in der Unterarmmuskulatur am äusseren Ellenbogen und in den darüber liegenden Muskeln deuten auf eine Entzündung der Sehnenansätze der Unterarmmuskulatur hin. Elektrotherapie, Ultraschall, Laser, Kortisoninjektionen, Stosswellentherapie – alle erst nach der Schwangerschaft -, chiropraktische Behandlungen, Akupunktur, Akupressur, Selbstmassage, Bandagen und Eis können die Schmerzen lindern.

Karpaltunnelsyndrom  Eine Abflachung der Handwurzelgelenksbogens mit einer Folgeentzündung des darunter liegenden Nerves. Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Händen und Fingern vor allem in der Nacht sind die ersten Anzeichen. Mit der Zeit zeigt sich meist auch ein Kraftverlust in den Händen. Dies entsteht oft nach mehreren Schwangerschaften und Geburten. Chiropraktische Behandlung und Haltungskorrektur mit einer Schiene kann die Schmerzen lindern, wenn keine Operation angezeigt ist.

 

Gut zu wissen, dass Chiropraktik bei vielen dieser schmerzhaften Beschwerden in der Schwangerschaft und danach Abhilfe schaffen kann. Noch besser ist Prävention:

Vor der Geburt

Fit sein und mässiger Sport und Bewegung (Keine neuen Sportarten während der Schwangerschaft, die nicht speziell auf Schwangere zugeschnitten sind!). Eine ausgewogene Ernährung verhindert Verstopfungen und übermässige Gewichtszunahme. Ein gut stützender BH und Stützstrümpfe können vorbeugend wirken. In einem professionell geleiteten Geburtsvorbereitungskurs wird das richtige Atmen, das Entspannen und der Beckenboden trainiert.

Nach der Geburt

Wichtig ist sich bewusst zu werden, dass die Rückbildungsphase in etwa so lange dauert wie die Schwangerschaft. Trotz vielen neuen Aufgaben ist es sehr wichtig den Beckenboden zu kräftigen und sich regelmässig zu entspannen. Bettchen und Wickeltische sollten auf angenehmer Arbeithöhe angebracht werden. Die Babys sollten körpernah, mit geradem Rücken gehoben und getragen werden. Für das längere Herumtragen ist eine abgestimmte Traghilfe zu empfehlen. Müssen Sie schwere Sachen heben? – holen sie Hilfe: Partner, Freunde und Familie werden Ihnen sicherlich gerne schwere Arbeiten abnehmen!

 

Von Dr. Miriam Viganò Schiesser, Chiropraktorin

Chiropraktik & Gesundheit Ausgabe 3/10 Offizielles Organ Pro Chiropraktik